Yoga – Zeit für dich

Yoga ist vielseitig und es gibt die unterschiedlichsten Arten es zu praktizieren. Dabei spricht Yoga die verschiedensten Bedürfnisse an. Yoga kann zunächst einmal ganz allgemein der Entspannung dienen. Von der allgemeinen Gehetztheit Abstand nehmen – Pause machen. Außerdem kann Yoga die innere und äußere Stabilisierung unterstützen und die Wahrnehmung des eigenen Körpers und der eigenen Befindlichkeit schärfen. Durch Beobachtungen von uns selbst gelingt es uns im Moment anzukommen – im Hier und Jetzt. Und während Yoga all diese positiven Eigenschaften miteinander in Einklang bringt, ist es gleichzeitig für jeden eine individuelle Erfahrung Yoga zu praktizieren.

Wir wollen diese Möglichkeit von Yoga zu profitieren zugänglich machen! Ich sehe Yoga als 1,5h Stunden für mich. Zeit, die ich mir bewusst nehme und in der ich an nichts anderes denken muss; in der ich die Verantwortung an die Person abgeben kann, die vorne steht und mich durch die Asanas leitet. Und außerdem kann ich mit Yoga meinen Körper etwas Gutes tun. Ich spüre, dass ich in bestimmten Übungen besser werde und fühle mich fitter. Und um genau das geht es uns – diese Möglichkeit Yoga für sich zu nutzen, indem wir kostenlose und offene Yogastunden anbieten, die nahe an der Lebenswelt des Einzelnen sind.

Gerade traumatisierte Menschen können von Yoga profitieren. Ein traumatisches Ereignis ist oft von Kontrollverlust geprägt. Man fühlt sich schutzlos ausgeliefert. Oft werden persönliche Grenzen überschritten. Das passiert so lange bis diese Grenzen nicht mehr wahrgenommen werden. Das Gefühl für den eigenen Körper geht verloren. Yoga kann eine Möglichkeit sein, diese Kontrolle wieder zu erlangen und den Körper und seine Grenzen langsam wieder wahrnehmen zu lernen. Traumatische Erlebnisse führen außerdem häufig zu einem Zustand erhöhter Wachsamkeit. Physikalisch und neurologisch leben traumatisierte Menschen in der Vergangenheit. Sie sind immer bereit einer erneuten Gefahr zu begegnen und so ihr Überleben zu sichern. In diesem Zustand des Hyperarousals kann es zuweilen unmöglich sein Stille und das Spüren des eigenen Körpers auszuhalten. Yoga lädt zu Stille ein ohne diese zu fordern und bietet an die Gedanken zu fokussieren. Yoga gibt die Möglichkeit sich an Introspektion heranzutasten und zu erkennen, dass körperliche Zustände vergänglich und beeinflussbar sind. Dadurch gelingt es, in der Gegenwart anzukommen.

In unserer Arbeit mit Flüchtlingen wollen wir diese Erkenntnisse nutzen. Wir sehen Yoga als eine unterstützende Maßnahme zur Stabilisierung von geflüchteten Menschen. Wir möchten ihnen die Möglichkeit geben sich in einen geschützten Rahmen zu begeben und Vertrauen zu fassen – in sich selbst und in das neue Land. Wir möchten hierbei zunächst ein Konzept in Form eines Videos vorstellen, welches wir auf Arabisch und Dari übersetzen lassen. Hier können unsere zukünftigen Yoga-schüler sehen, worauf sie sich einlassen würden und gleichzeitig können sie auch privat mit diesem Video üben. Über dieses Video werden wir dann Feedback einholen, welches dazu dienen soll Yoga-Stunden zu halten, die auf die Bedürfnisse traumatisierter Flüchtlinge abgestimmt sind.

In unserer Arbeit stützen wir uns hauptsächlich auf Dagmar Härles „Körperorientierte Traumatherapie. Sanfte Heilung mit traumasensitivem Yoga.“ Sie beschreibt in ihrem Buch wie man Yoga für traumatisierte Personen modifizieren muss, um traumatische Muster nicht zu verstärken und auf welche Weise Yoga einen Ansatz bietet die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche für die Trauma-Arbeit zu nutzen. Anstrengung im Wechsel mit Erholung und die direkte Kontrolle des eigenen Körpers durch Bewegung und Atmung bieten traumatisierten Personen die Möglichkeit einen Weg aus der ständigen Alarmbereitschaft herauszutreten und sich in einem geschützten Raum mit sich selbst zu beschäftigen. Durch Yoga holt sich er Praktizierende in den Moment zurück und gewinnt Kontrolle über seinen Körper und seine Befindlichkeit.